Der Stolpener Basalt


Der Radeberger Bildhauer Detlef Herrmann schuf 1993
die bisher einzige Plastik aus Stolpener Basalt.
An dem harten Gestein verbrauchte er 80 Vidia-Eisen!

Die Plastik zeigt Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel,
welche 49 Jahre lang Gefangene auf der Burg Stolpen war.

Fotomontage von Herbert Müller, Radeberg

Der Basalt als Typuslokalität - ein kleiner geschichtlicher Exkurs

Der Basalt ist der Namensgeber von Stolpen

Der Basalt und vor allem die Basaltsäulen sind eine der wichtigsten Attraktionen der Stadt und der Burg Stolpen. Stadt, Burg und Burgberg Stolpen verdanken ihren Namen dem Basalt. Sloup oder Stolp sind altslawischen Worte und bedeuten Säule. Der Basalt von Stolpen ist seit 2006 "Nationales Geotop".

Hier die Urkunde der Akademie der Geowissenschaften

Stolpen ist die Typuslokalität für den Basalt weltweit

Bereits im Jahre 1546 benutzte der Naturforscher Agricola (Johannes Bauer) im Zusammenhang mit den Stolpener Basaltsäulen erstmals das Wort "Basalt". Zuvor wurden die Basalte der Gesteinsgruppe der "Basanite" zugeordnet. Die Landschaft "Basan" befindet sich auf der syrischen Hochebene El-Nukra. Agricola hat vor 459 Jahren Stolpen als Typuslokalität für alle Basalte weltweit benannt ! Er benutzte diesen Begriff in seinem berühmten Buch "De res metallica" (vom Ursprung der Metalle).

Erste Zeichnungen des Basaltes stammen aus Stolpen

Aus Stolpen stammen auch die ersten räumlichen Darstellungen der Basaltsäulen - die hat ein Herr Kenntmann im Jahr 1564 gezeichnet.

Stolpen als Streitobjekt der Wissenschaften im 18. Jahrhundert - hier irrte sogar Goethe

Stolpen war seit dem 16. Jahrhundert ein begehrtes Forschungsobjekt. Viele Naturforscher und Geologen haben hier gearbeitet. Selbst Goethe war in Stolpen aktiv. In den Jahren 1770 - 1820 stritten sich die Naturforscher, wie der Basalt entstanden ist. Dafür besuchte Goethe am 31. Juli 1790 den Basalt zu Stolpen.

Die Neptunisten (z.B. Professor Werner aus Freiberg/Sa.) glaubte, dass alle Gesteine , also auch der Basalt, im Meer durch Ablagerung entstanden sind. Zu den Neptunisten gehörte auch der Johann Wolfgang v. Goethe, der große Dichter irrte also in Stolpen.

Die Plutonisten dagegen (z.B. Hamilton) glaubten, dass alle Gesteine aus Lava und Magmen entstanden sind. Heute wissen wir, dass der Basalt tatsächlich aus Magma entstanden ist.

Neuere Forschungen am Basalt

1965 bis 1983 hat Herr Professor Koch in Stolpen geforscht. Dabei wurden mehr als 3.500 Basaltsäulen kartiert und vermessen, eine unvorstellbare Leistung !

Seit 1994 arbeitet Dr. Thomas Scholle wieder wissenschaftlich am Basalt von Stolpen. Im Frühjahr 2006 wird auf der Burg eine geologische Dauerausstellung zum Basalt eröffnet.

 

Wie ist der Basalt entstanden ? - ein paar kurze Erläuterungen

Langeweile vor dem Aufdringen des Magmas in Stolpen und anderswo

Stolpen gehört geologisch zum Lausitzer Granodioritmassiv. Vor etwa 500 Millionen Jahren drang hier ein großer Magmenkörper in die Erdkruste, der die Erdoberfläche nicht erreichte. Bei der langsamen Abkühlung des Magmas entstand der Lausitzer Granodiorit. Danach war der Bereich von Stolpen Abtragungsgebiet - der Granodiorit verwitterte und wurde teilweise abgetragen.

Vor 65 Millionen Jahren, in der Kreide-Zeit, reichte ein Meer fast bis vor die Türen der Stadt Stolpen. Die Küstenlinie reichte bis Dresden oder bis Hohnstein. Gesteine, die in diesem Tethys-Meer (heute das Mittelmeer) entstanden, sind Sandsteine der Böhmisch-Sächsischen Kreidemulde, also z.B. des Elbsandsteingebirges.

Im Tertiär ist Schluss mit langweilig - die Kontintalplatten bewegen sich heftig

Vor etwa 40 Millionen Jahren gab es große tektonische Bewegungen in Europa. Von Süden her schob sich die Afrikanische Platte unter die Europäische Platte. Es gab viele starke Erdbeben und Rissbildungen in der Erdkruste. Die Auffaltung der Alpen begann und das Tethys-Meer wurde in das heutige Mittelmeer zurückgedrängt. Auch aus Sachsen und Böhmen zog sich das Meer nach Süden zurück.

Im Tertiär, also vor 35 - 1,6 Millionen Jahren waren viele Bereiche von Europa tektonisch sehr aktiv - es gab riesige Erdbeben, aus kilometertiefen Rissen konnte Magma an die Erdoberfläche aufdringen. Vulkane gab es bei Görlitz (z.B. die Landeskrone), im Zittauer Gebirge (Oybin), im Böhmischen Mittelgebirge, im Elbsandsteingebirge (Großer Winterberg), in der Lausitz (Stolpen), im Erzgebirge (Scheibenberg), im Duppauer Gebirge (Karlsbad), in der Rhön (Umpfen), im Westerwald, Odenwald, Eifel ...

Es gab also in Europa einen riesigen Vulkangürtel, dessen Restaktivitäten noch heute spürbar sind (z.B. Mineralquellen in Bad Elster, Bad Brambach, Marienbad, Karlsbad).

Und nun geht es endlich auch in Stolpen los - der Vulkan bricht vor 25 Millionen Jahren aus und der Basalt entsteht

In Stolpen riss die Erde vor 25 Millionen Jahren auf. Dabei entstand ein kleiner Riss im Lausitzer Granodiorit genau dort, wo sich heute die Burg befindet. Dieser Riss reichte mindestens 15 km tief, also bis zum "Oberen Mantel" der Erde, von wo aus glutflüssiges Magma nach oben steigen konnte. Diese Magma wurde als heiße Lava im Bereich der heutigen Burg herausgeschleudert und bildete dort einen sogenannten Schlackendeckel aus Tuffen, vulkanischen Bomben und Gluthauchwolken. Wegen dieses Schlacken- deckels konnte das aus dem Erdinneren nachdringende Magma nicht mehr an die Oberfläche durchdrücken - es entstanden die Basaltsäulen in einer sogenannten Quellkuppe.

Die Basaltsäulen verdanken also ihre Entstehung einem Vulkan, dessen vulkanische Auswurfprodukte sind aber durch die Verwitterung und die Erosion abgetragen worden und heute nicht mehr vorhanden.

 

Eigenschaften des Basaltes von Stolpen

Polygone mit 3 - 7 Ecken

Besonders auffällig sind die polygonen (= vieleckigen) Säulen. Im Zentrum des Förderkanals sind die Basaltsäulen meist 5 - und 6eckig und sehr eben. Weiter vom Förderschlot entfernte Säulen sind unregelmäßiger oder sogar plattig. Polygone Absonderung gibt es auch anderswo in der Natur, z. B. bei Bienenwaben und Trockenrissen.

Die Basaltsäulen sind richtig schwer

Der Basalt von Stolpen ist ein schweres Gestein mit einer Dichte von ca. 3,2 g/cm³ Zum Vergleich: Wasser hat eine Dichte von 1 g/cm³.

Eine Basaltsäule mit einem Durchmesser von 0,35 m und einer Länge von 1 m wiegt ca. 100 kg !

Minerale im Basalt - leider keine Fundgrube für Sammler

Der Basalt von Stolpen besteht vor allem aus den Mineralen Feldspat (Plagioklas), Pyroxen, Nephelin und Olivin. Leider sind die Minerale meist sehr klein, so dass sie nur unter dem Mikroskop erkennbar sind.

Es gibt auch ein paar kleine hydrothermale Minerale wie den Natrolith, die nur auf Kluftfüllungen zu finden sind.

Magnetismus im Basalt

Eine Besonderheit ist der Magnetismus im Basalt von Stolpen. Einige Basaltsäulen enthalten das Mineral Magnetit in größeren Mengen - bei diesen zeigt die Nadel Kompasses nicht nach Norden !

Hart und härter - Nägel lassen sich nicht einschlagen

Noch vor wenigen Jahren haben die Bürger der Stadt Stolpen ihre Bilder nur dort an den Basaltwänden aufhängen können, wo eine Fuge zwischen den Basaltsäulen vorhanden war, weil man nicht in den Basalt der Häuserwände bohren konnte. Basaltsäulen wurden auch als Ambosssteine genutzt.

Besonders unnachgiebige Bürger werden übrigens liebevoll als "Basalter" oder "Basaltschädel" bezeichnet.

 

Wie groß ist das Basaltvorkommen von Stolpen ?

Der Basalt von Stolpen ist sehr klein. Von Westen nach Osten gemessen sind es lediglich 350 m Verbreitung. Von Norden nach Süden gemessen sind es lediglich 200 m Verbreitung. Insgesamt nimmt der Basalt nur eine Fläche von etwa 5 - 6 ha ein.

Der Basalt endet übrigens auf dem Markplatz - nördlich des Basaltdenkmals befindet sich bereits der Lausitzer Granodiorit !

 

Stolpen ein Vulkan - kann der Vulkan wieder ausbrechen ?

Stolpen war vor 25 Millionen Jahren (also im Tertiär) ein Vulkan. Es besteht keine Gefahr, dass dieser Vulkan in den nächsten 10 Millionen Jahren wieder ausbricht. Der Basaltpfropfen ist viele Kilometer tief und verhindert, dass Magma nachdringen kann. Es gibt in Stolpen auch keine Anzeichen für heiße Quellen, Magmenseen, Schwefelentgasungen oder andere vulkanische Aktivitäten.

 

Steinbrüche im Basalt

Es gibt kaum gesicherte Nachweise über die Lage von Steinbrüchen in Stolpen. Bekannt ist aber die Lage des Steinbruches gegenüber der alten Turnhalle an der westlichen Seite der Burg. Es gab aber sicher noch weitere Steinbrüche in Stadt und auf der Burg Stolpen, die als solche heute nicht mehr zu erkennen sind.

Download: Infos zum Stolpener Steinbruch (PDF)