Lyrik von Matthias Stark

Sonnenuntergang

Gold glänzend will der Tag sich neigen,
die Weite um uns hält den Atem an.
Des Alltags Hektik hüllt sich hier in Schweigen,
die Sternennacht zieht nun in ihren Bann.
          
In Mondlicht eingetaucht ist dann die Welt auf Erden,
vergessen auch die Sorge um das Sein.
Des Menschen Geist will groß und größer immer werden,
indes die Sterne zeigen ihm: noch immer ist er klein.

Vollmondnacht

In gold´nem Mondlicht liegt das Feld
ein kühler Wind nur durch die Zweige flieht ganz sacht,
in graue Schleier eingehüllt ist jetzt die Welt,
ein Käuzchen ruft von fern und grüßt die Nacht.

Geheimnisvolle Nebel irren tief im Tal,
ganz still ist es in Wald und Flur.
Der Weltengeister Schatten wandeln fahl,
des Lichtes Silber täuscht, alles ist Ahnung nur.

Im Mondenschein geborne kühne Träume
fliegen hinaus nun in das weite Rund.
Und sie erreichen ferne, ferne Räume,
der Menschen Wünsche, Sehnsucht, Hoffnung tun sie kund.

Stilles Glück

Wenn ganz am frühen Morgen
zum See ich wand´re schon,
der still noch liegt verborgen,
ist Tauglanz nur der Mühe Lohn.

Für kurze Zeit gehört nun mir
die Flur, der Wald, das Feld.
Ich möcht´ ihn schenken Dir,
diesen Moment, der jetzt nur zählt.

Die Morgennebel decken
noch alle Unrast zu.
Nie will ich ihn wecken,
den lauten Tag, so ohne Ruh.

Drum lauf ich still und leise
und lausche vor mich hin.
Der Vögel alte Weise
erfreuet meinen Sinn.

An diesen frühen Morgen
nur denk ich nun zurück.
So friedlich, ohne Sorgen,
das war mein stilles Glück.

Erinnerung

Hör´ ich die alten Lieder
sind die Gedanken weit.
Erinnerung kehrt wieder
an längst vergang´ne Zeit.

Der Kindheit frohe Tage
voll Licht und Sonnenschein,
ein Leben ohne Klage,
im Glas blinkt rot der Wein.

Es fliegen dann die Träume
bis in das Abendrot.
Der Wind küßt leis´ die Bäume,
Uns trennt auch nicht der Tod.

Abschied

Martinshorn von fern
in der leeren Wohnung jetzt
lange Zeit Stille

Erinnerung erwacht leis
im Nebel der Gedanken

Ohne Hoffnungen
im Warten auf Rückkehr nur
Paradiesträume

Im Schatten alter Bäume
junge Eichtriebe im Laub

Auf dem Kreuz am Grab
der kleine Vogel nun singt
sein Lied voll Wehmut

Nach Sonnenuntergang doch
zu zweit in Liebe vereint

Traum vom Fernweh

Wolken ziehen wie Gedanken
in ein fernes, fernes Land,
und es fallen alle Schranken,
nichts ist mehr, was uns verband.

Traurigkeit liegt auf den Wiesen,
vom Mond beschienen, klar und still,
kaum noch Tränen wir vergießen,
nur eine weiß, was ich jetzt fühl'.

Wir tanzen in die Sommernacht,
der Weg vor uns scheint klar,
die Schwermut wird hier ausgelacht,
im Nebel liegt, was war.

In großen Zügen Leben trinken,
nimm auch Du den Krug zur Hand.
Alle soll'n beim Abschied winken,
Sonnenglut am weißen Strand.

Der Horizont im Dämmerschein,
die Morgennebel steigen leise,
Reste im Glas vom roten Wein,
es geht ein Traum nun auf die Reise.

Altersschwäche

Auf dem Feld
vor der Stadt
in der Mittagssonne
Tropfen um Tropfen
stirbt der Alte
weiß im Gesicht
Träne für Träne
vergeht ein Leben
im Strom der Zeit
Ein Kind ruft:
Wo ist der Schneemann?

Lebensabend

Der Herbst läßt nun die Blätter fallen,
in allen Stürmen weht Erinnerung.
Der Baum des Lebens schüttelt seine Zweige,
im Herzen aber bleibst du ewig jung.

Du denkst zurück an Jugendstreiche,
die alte Eiche steht noch immer auf dem Feld.
Es ist verblüht die Pracht in Deinem Garten,
bist dankbar nun für jede Stunde dieser Welt.

So wichtig war die Liebe dir im Leben,
dein Streben nach dem Glück hat sie erfüllt.
Es müssen auch die stärksten Bäume weichen,
sind ganz in Schleier sie jetzt eingehüllt.

Einmal jung noch in den Träumen,
unter Bäumen liegend werden Fragen neu gestellt.
Du bist ein Wellenreiter der Gedanken nun geworden,
sicher, daß die Währung deines Herzens nie verfällt.

zeit ohne seele

am bahnsteig des seins für kurzen halt
fährt der zug des lebens nun ein
auf der reise vom gestern ins morgen
kein abteil scheint mehr frei zu sein

augenpaare seelenlos hinter dem glas
sekunden tropfen aus der bahnhofsuhr
ein plätzchen erhaschen für ein leben
ein paar stationen - ein stehplatz nur

alle wollen noch mit auf die fahrt
intellektuelle und intelligente mit geschick
wissen umzugehen mit dem ellenbogen
und immer wieder bleibt jemand zurück

der zug fährt weiter für alle zeit
nichts kann ihn halten für längere rast
erst kurz vor dem aussteigen dann
wird so mancher erlöst von der hast

Rettung

Mein Gedicht droht
zu ertrinken
im Lyrikozean,
Wellen aus Worten
tragen es fort
an die Ufer der Zeit,
wo es gefunden wird
nach langen Stürmen,
irgendwann,
von irgendwem
und gerettet wird
vor dem Vergessen.

Haikus von Matthias Stark

Am Sommermorgen
in jedem Tautropfen glänzt
eine kleine Welt

 

 

Morgens durchs Fenster
kommte der Tag in das Zimmer
mit Amselgesang

Morgenwanderung
im Takt der Schritte knacken
leere Bucheckern

 

 

Hagebuttenzeit
nur eine Biene noch sucht
der Hecke Blüten

Rotes Schokoherz
glänzend auf dem Gabentisch
im Innern Leere

 

 

Martinshorn von fern
in der Nachbarwohnung nun
lange Zeit Stille

Über Nacht Neuschnee
verstummt die Meise im Baum
die gestern schon sang

 

 

Auf dem Arbeitsweg
die ersten Sonnenstrahlen
erinnern an Dich

Vom gelben Rapsfeld
nach der langen Autofahrt
der Duft der Heimat

 

 

Kalter Julimond
nur Schwalben im Himmelsblau
künden vom Sommer

Die Spuren im Schnee
führen in das Nirgendwo
des grauen Himmels

 

 

Bei Nebelmondlicht
über die Wege im Wind
ein Ahornblatt tanzt

Zu Boden hängen
die wilden Rosenzweige
Hagebuttenzeit

 

 

Die Boote am Ufer
sanft mit den Wellen schaukeln
nachdem du fortgingst

Sonnenuntergang
die letzte Fähre heute
legt ab ohne mich

 

 

Am Ufer eine Bank
die junge Frau mit dem Kind
schaut den Schiffen nach

Auf dem Treidelpfad
der alte Anker im Gras
kaum zu sehen ist

 

 

Zu Fuß nach Hause
deine Hand in meiner nun
der Weg viel zu kurz

Raureif am Morgen
unter meinen Füßen
ein Sternenmeer

 

 

Die Tür schlägt zu
ein Hauch deiner Wärme
noch im Raum

Bibliografie aktueller Veröffentlichungen von Matthias Stark